Warum Banken ihre Netto-Null-Versprechen (nicht) halten: Ein Realitäts-Check
Weltweit haben sich Banken verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Emissionen in ihren Investitions- und Kreditgeschäften zu erreichen. Doch die Angst der Banken vor Marktnachteilen verhindert eine wirksame Umsetzung dieser freiwilligen Klimaversprechen, zeigt eine Studie der ETH Zürich.

Das Übereinkommen von Paris verankert die Ausrichtung von Finanzflüssen auf eine treibhausgasarme Entwicklung als eines seiner Ziele. Seit seiner Verabschiedung hat sich eine wachsende Zahl von Banken öffentlich dazu bekannt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen in ihren Kredit- und Investitionsportfolios zu erreichen. Diese Entwicklung weckte die Hoffnung, dass der Finanzsektor seine globale Macht nutzen wird, um die Dekarbonisierung weltweit zu beschleunigen. Doch es weiterhin unklar, welche tatsächlichen Emissionsreduktionen von den Anstrengungen der Banken zur Umsetzung ihrer Netto-Null-Ziele zu erwarten sind.
In seiner Studie untersuchte Mischa Aeschlimann die praktischen Möglichkeiten zur Umsetzung freiwilliger Klimaversprechen in Schweizer Hypothekarportfolios und deren Umsetzungswahrscheinlichkeit mittels einer umfassenden Stakeholder-Konsultation. «Die Banken verfügen zwar über Massnahmen, um die versprochenen Klimaziele zu erreichen, deren Umsetzung wird aber durch die Angst der Banken verhindert, Marktnachteilen zu erleiden, sollte die Konkurrenz nicht mitziehen» stellt Aeschlimann fest. «Ohne regulatorische Unterstützung werden sich die Bemühungen der Banken, Netto-Null-Ziele zu verfolgen, auf Massnahmen beschränken, die nur einen begrenzten oder vernachlässigbaren Einfluss auf die Dekarbonisierung des finanzierten Gebäudebestands haben werden.» Es besteht entsprechend das hohe Risiko, dass die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger:innen derzeit das Potenzial freiwilliger Klimaversprechen der Banken zur Emissionsreduzierung überschätzen.

Dieses Problem geht über den Schweizer Kontext hinaus und stellt den inhärenten Wert der freiwilligen Netto-Null-Versprechen von Banken weltweit in Frage. Politische Entscheidungsträger:innen auf der ganzen Welt müssen diese Versprechen nun kritisch hinterfragen und regulatorische Strukturen schaffen, die es den Banken ermöglichen, ihre Klimaziele zu erreichen.
Literaturhinweis
Aeschlimann, M. (2025). Banks’ climate commitments: a silver lining for climate action or just hot air? First evidence from the Swiss mortgage business. Climate Policy, 1–17. doi: externe Seite 10.1080/14693062.2025.2471342